Er hat sich in mir festgesetzt. So fest, dass ich ihn mit Kopfschütteln nicht von mir abschütteln kann. So fest, dass ich ihn mit Durchschütteln nicht ausschütteln kann. Er hat sich in mir festgesetzt. Im Kopf nämlich. Und nicht im Herzen, wie allgemein behauptet wird. Überhaupt, wo sollte es sich denn befinden dieses Herz, von dem alle Welt so süßlich spricht? Eine Sau hat ja auch ein Herz. Das männliche Gegenstück und Ebenbild und überhaupt die bessere Hälfte ebenso. Eine Sau hat ja auch ein Herz, ein rundumrundovales, pulsierendes, warmes, ein rosenrotes. Aber das sieht man erst bewiesen, nachdem man mit dem Finger das saftig kirschrote Blut vom blankglatten frischen Fleischklumpen streicht, bis es zu Boden tropft. Das Blut, nicht das Herz, denn dieses liegt ja warm und weich im Handteller und lässt sich vom Finger der anderen Hand sauber streicheln. So jedenfalls stelle ich mir das vor, das freigelegte Sauherz, in etwa rosenrot und aalglatt. Doch ich habe Zweifel. Ob sich in diesem Herzen etwas festgesetzt hat, nämlich. Müsste es ja, weil es doch ein Herz ist. Und dem Herzen wird so etwas bekanntlich nachgesagt. Und Herz ist Herz. Ob sich in diesem Sauherzen also etwas festgesetzt hat? Und wenn ja, was dann? Eine Bande zum Bauern? Weil die Sau täglich zum Futtern bekam. Auf dass der Schlachter möglichst viel zum Schlachten vorfinde. Nur davon weiß die Sau noch nichts beim Futtern, dass sie sich fett, folglich tot futtert. Ob sich in diesem Schweinsherzen etwas festgesetzt hat? Und wenn ja, was dann? Eine Abscheu gegen den Schlachter? Der doch im Grunde nur das Beste will und daher die Sau auseinander nimmt, sie davor, weil dafür, mit einem tiefen und sauberen Schnitt öffnet, dass es mohnblumenrot plus einen Hauch kräftiger aus ihr heraus spritzt und der tiefe Schnitt so gar nichts Sauberes mehr an sich hat. Nur davon weiß die Sau noch nichts beim Schlachten, dass der Schlachter nur das Beste will. Daher hilft das ganze überraschte Quietschen nichts, dessen friedlichere Variante gemeinhin als Grunzen bekannt ist. Wenn ein Fachmann tötet, dann tötet er bis zum Ende oder gar nicht. Ein bisschen Töten gibt es nicht in dieser Welt. Bei einem Mann vom Fach sowieso nicht. Ob sich in diesem Herzen also etwas festgesetzt hat? Und wenn ja, was dann? Enttäuschung über den hinterfotzigen Bauern? Weil von diesem Pokerface und Armleuchter und Falschspieler verraten, da an die Schlachtbank geführt. Das müsste doch zu beweisen sein, was dann und ob! Zum Beispiel bei einem Menschen. Der Rede und Antwort stehen kann. Bei einem Menschen, der vielleicht zu fast hundert Prozent einmal einer war und jetzt zu einem Gutteil Schwein ist. Bei einem, dessen Herz zuerst ausgetauscht und hinterher eingetauscht wurde. Gegen ein Schweinsherz nämlich. Der Medizin sind ja keine Grenzen gesetzt, solange die Kasse in die Tasche langt und der Sozialapparat für Doktorspiele herzlichst die Mittel spendiert. Mit einem Menschen, der zu einem guten Teil Schwein ist, müsste also zu beweisen sein, was dann und ob. Was sich im Herzen festgesetzt hat und nicht im Kopf. Und ob es sich im Herzen festgesetzt hat und nicht im Kopf. Also gesetzt den Fall es hat, und das im Herz, dann müsste dieser Mensch sich doch nach Der Verwandlung als Schwein fühlen, zu einem guten Großteil. Richtig? Also einmal rein theoretisch, dann müsste dieser Mensch beim Anblick eines jeden Landwirts ein unerklärliches Hungergefühl in sich verspüren, weil sich der Magen doch zur Gänze gefüllt weiß. Oder? Also nur mal angenommen, dann müsste es dem Menschen doch beim Anblick eines jeden Mörders die Borsten aufstellen, weil es ihn fröstelt. Nicht wahr? Also wenn dem so wäre wie kurz angedacht, dann müsste es dem Menschen doch bei jedem Verräter in den Fingern unter den gespaltenen Hufen jucken, weil er auf Buße pocht. Ist doch so? Augenblicklich lässt sich die Beweisführung nicht zu Ende führen. Nicht von mir. Noch hat mir kein Mensch offenbart, dass er ein Schwein ist und kann mir daher nicht Rede und Antwort stehen. Aber man wird sich doch noch Fragen dürfen! Oder? Zwischenzeitlich gibt es das Wort Hoffnung heißt Zuversicht meint Aussicht vielleicht Einsicht. Also hat er sich in meinem Kopf festgesetzt. Und der lässt sich schütteln von oben nach unten und denselben Weg zurück und das hundert Mal und mehr und von rechts nach links und denselben Weg zurück und das wieder hundert Mal und mehr und es tut sich nichts. Denn er hat sich in mir festgesetzt. So fest, dass ich ihn mit Kopfschütteln nicht von mir abschütteln kann. So fest nämlich, dass ich ihn mit Durchschütteln nicht rausschütteln kann aus mir.