Brand
Unter Feuer kein porzellan, nur mohnblumen und raben in der Schmelze. Bis dahin gestundete Zeit und ausbleibende Brandwache. Verabsäumte Prophezeiung des züngelnden Unglücks der vermissten Mutter.
Nächtliche Tagwache in der Raumstation des Dachbodens. Ein Bruder schlägt die Schiffsglocke für zwei und drei. Das Fensterglas zerbröselt wie Sterntalerregen unter der Puppenbadewanne. Verzweifeltes Missachten uneinsichtigen Widerstands. Verschämte Einstimmigkeit verrät den Deserteur. Aufplatzende Leuchtpalmen in den Augen der am Festplatz Jubelnden. Verdoppelung des Notrufs in der Wechselstimmung vor dem Gemeindehaus, solidarisches Totenfeiern der Fremden. Aus dem Käfig flieht himmelblau bewölkt der Dritte. Vorbei am süßprickelnden Wasser hinter meterhoher Hitze vor abgeschlossenem Freispruch. Dann: Unrhythmisches Klopfen von der bewohnten Seite der Welt. Anschwellend klagender Chor vor Jenseits. Aus der Wand fällt ein verdoppelter Sarg, nimmt alles Leben mit sich.
Wache
Ein Zitronenfalter ruht weißblau gestreift im Schoß eines holländischen Riesen und zwei wissen sich behütet in ihrer Abwesenheit. Die vermisste Mutter greift sich die unversehrten Insassen und reut. Die Reste der Nacht zaubern lebendige Ruhe in den Wachtraum. Der Morgen bringt einen Sack verrußter Spielereien. Auf dem Küchenboden liegt vom schwarzen Tod verbeult das Telefon. Mehr hat Weihnachten nicht zu bieten. Mein großer Bruder ist 8 Jahre alt. 1985.