Nadine Kegele · Rezension in

 

an.schläge. Das feministische Magazin # September 2009

Felicia Zeller: Einsam lehnen am Bekannten

Brettern wider die Fadesse

 

Berlin, Neukölln. Eine Frau, Schriftstellerin von Beruf, brettert, was das Zeug hält, was heißt: trinkt sich durch die Nächte, dass sich die Balken biegen, liest sich durch die Tage mit Woolfs Wellen und Schnitzlers Traumnovelle und arbeitet, so entsteht der Eindruck, immer so ein bisschen mau an ihrer Schriftstellerinnenarbeit. Die Heldin aus "Einsam lehnen am Bekannten" - das braucht nicht erst mit dem literaturwissenschaftlichen Ich gekonnt professionell negiert zu werden - ist klar die Autorin selbst, wohl mal mehr, mal weniger authentisch. Felicia Zeller, die bisher als Dramatikerin ("Bier für Frauen", Kaspar Häuser Meer"), Performerin und Ärztin der (Spaß-)Landessexklinik Baden-Württemberg auffiel, legt erstmals kurze Prosa vor. Ihre Protagonistin ist cool, lustig und relativ trinkfest. Ihre Prosa mal lustig, mal gewollt, doch immer irgendwie eigen, die Autorin hat eine Handschrift. Diese liegt nicht unoft nahe an der Groteske, und mit der Groteske liegt sie meist richtig, bloß manchmal dann doch knapp daneben. Aber zumeist sind es poetische Texte ("Die Spinnen haben sich wieder schnell durch die Wohnung genäht. Gestern noch gesaugt und heute schon wieder alles voll gestrickt. Leise klöppelt es in allen Ecken."), oder gelassene, wenn die Autorin von ihrem vor dem Arbeitszimmer campierenden Vermieter am Produzieren von Weltliteratur gehindert wird ("Ich könnte mir höchstens ein Bier greifen und mich ebenfalls dazuhocken und ab und zu von außen auf meinen Tisch starren."). Aber dass die Autorin kein erschöpfter "Schriftsteller" ist, sondern eine erschöpfte Schriftstellerin, das muss ihr erst eine_r beibringen. Mach ich doch glatt.