an.schläge. Das feministische Magazin # Oktober 2009
Der dritte Lyrikband der Dichterin Anja Utler ist schlicht. Weißgerippter Einband, viel Platz für wenig Text, ästhetisch paginiert, Lesebändchen. Alles andere wäre dem Inhalt auch gar nicht angemessen. "jana, vermacht" ist experimentelle Lyrik. Und "jana, vermacht" ist ein Gespräch zwischen einer Enkelin und ihrer Großmutter, doch "solche, denke, befragt man ja nicht -." Dieses Gebot wird hier umgangen. Die Enkelin befragt eine im Nationalsozialismus schuldig gewordene Generationenvertreterin. Klar prallt sie da zuerst an "ihrer ab- / gewendeten Stimme" ab. Die Autorin übersetzt diese Verweigerung im gedruckten Text in Leerstellen, die sie mit Beistrich, Binde- und Gedankenstrich und einer Art Fragezeichen markiert. Ungenannt bleiben einzelne Buchstaben, Silben, Wörter auch. Im gesprochenen Text auf der beiliegenden CD, welche Utler selbst eingesprochen hat, werden diese Lücken zu einem Stottern. Es wird ineinander gesprochen, wie in Klammern geflüstert, gefragt und beklemmend ins Sprechen hineingesungen. Die Intonation an einem Satzende lässt oft auf Ungesagtes schließen und alles Ungesagte in diesen Gedichten ist auf den Vervollständigungswillen der Leser_innen angewiesen. Der Wille ist, weil die Gedichte stark und interessant sind, meist da, nur manchmal wird’s zu undurchsichtig, doch wohl undurchsichtig wie ein solch verweigerndes Gespräch zumal sein kann. Das Auffüllen der Lücken ist oft einfach, oft nicht: "und wir stehn und in den wänden hab- / w- ger?ch-, rohrknöch- für d- luft und fürs / wasser gefertigt das steht / da, wartet / -ns ab". Manchmal ist nur noch ein Glottisschlag zu hören. Und hört sich dann an wie ein Schluckenmüssen.