Nadine Kegele · Rezension in

 

an.schläge. Das feministische Magazin # März 2010

Cornelia Travnicek: Fütter mich

Kein Vertrauen in die Autorin

 

Mit Cornelia Travniceks Erzählband "Fütter mich", deren Anführer zumeist junge Heldinnen wie die Autorin selbst sind, liegen uns Geschichten vor, denen anzusehen ist, dass da was schlummert. Dabei tut die unprätentiöse Sprache nur zu gerne so, als wäre hier eigentlich eh nichts, also ganz ehrlich nichts los. Die Fährten zu dem, was da im Busch sein könnte, lässt die Autorin in das Erzählte hinein tröpfeln, kaum merkbar, lange erwartet, und ohne via billigen Wink mit dem Zaunpfahl die Sache zur Auflösung zu bringen. Die Geschichten wirken zumal, als hätte man die Brille verlegt und sehe bloß unscharf. Sicher aber dreht sich's allerorts um's Sterben und den Tod, um unmögliche Beziehungen, um so genannte Normalitäten und deren Abweichendes: "'Hast du die gesehen, zupft sie mich am Ärmel. Die hat ja Oberschenkel, da sind meine Oberarme dicker. [...]' Ich lache mit." Es geht um füttern, sich füttern lassen, zu viel, zu wenig essen, um mästen und kotzen und Radiergummi futtern. Was den Körpern in Travniceks Erzählband zugeführt oder vorenthalten wird und warum das alles ist von zahlreicher Motivation. Eine Hauptkomponente, die aber fast allen Erzählungen zueigen ist, ist die Routine. Um dieser zu entkommen entwickeln die Held_innen nicht ungerne absurde bis grausame Gedanken. Doch alles Personal gilt als mündig und muss den Knoten selber lösen. Schließt die Autorin eine Geschichte ausnahmsweise mit einem Happy End, kann ihr darin eigentlich nicht vertraut werden, macht es den Anschein. Elf Erzählungen über all das, was vielleicht, wer weiß, in Körpern und Köpfen vorgeht, eigenen und anderen. "Ich kaufe mir Bücher und verstecke sie unter meinem Bett. Roald Dahl. Edgar Allan Poe. Haruki Murakami. Keine Geschichten für ein Ungeborenes."