Nadine Kegele · Rezension in

 

an.schläge. Das feministische Magazin # November 2009

Sabine Scholl und Lydia Mischkulnig: Böhmische Bibel. Unheilige Schrift für Puppen. Band 3: Herminator

Nach der Königsdisziplin

 

"Es hat mich nicht gestört, dass man mich zur Maschine gemacht hat" und "außergewöhnliche Menschen spalten immer die Nation", heißt es in einem Abschiedsinterview des österreichischen Skifahrers Hermann Maier, das zu seinem dieser Tage vermeldeten Rückzug erschienen ist. Auch wenn das Zitat so ganz und gar nicht tiefstapelt, die fast platte Bezeichnung Skifahrer tut es doch, wird er doch medial und patriotisch als der Terminator-Herminator der Skipisten dieser Welt gehandelt. Seine literarische Entsprechung, die Sabine Scholl und Lydia Mischkulnig für den dritten Band ihrer gebetsbüchleingroßen Böhmischen Bibel. Unheilige Schrift für Puppen ins Leben gerufen haben, verhält sich da nicht anders. Auch hier ist er ein Mann der Tat, der - obwohl gemeinhin Schneegänger -, keine Frage, selbst in der Wüste eine gute Figur macht. Und eben das ist das feministische Kalkül, das das Tinternational Textunternehmen - als welches die zwei österreichischen Autorinnen seit einer Japanreise im Jahr 2007 firmieren - zur Anwendung bringen: Reinste Satire mit Groteske gespickt, was sprachlich mitunter ins Banale kippt. Ob dies der Autorinnen maximale literarische Sprachleistung zu sein vermag, ist bloß dann nicht blöd gefragt, wenn die Antwort lautet: Ein Verschnitt aus Arztroman und Rosamunde Pilcher muss zwangsläufig so aussehen. Einer ist immer der Held in diesen Literaturen, und zwar der Mann, und ein paar andere sind immer die anhänglichen kleinen Närrchen, ja eh, die Frauen. So kann sich Libuše, die eigentlich aktiv heilsbringende Protagonistin aus Band 2, nun an die starke Schulter ihres (zärtlich so genannten) Hermi stützen, in Ruhe verschnaufen und erst mal nicht selber machen müssen. Die auf fünf Bände konzipierte und (seit jüngst) bei bisher vier Bänden angelangte literarische Reihe hat ein bisschen was von feministischer Dystopie, nur viel lustiger. Und in Lichtblicken mit sehr wohl auch innerliterarischem emanzipatorischem Potenzial für die weibliche Figur. Herminator taugt zum Feiern. Nämlich dass ein König das Haus verlassen hat, und nach der Lektüre Platz schafft für Träume von der - medial und patriotisch - noch nie so genannten Königinnendisziplin.