Nadine Kegele · Rezension in

 

an.schläge. Das feministische Magazin # Juni 2011

Nadja Bucher: Rosa gegen den Dreck der Welt

Zahlen, bitte!

 

Das ist Rosa. Rosa ist eine "selbstbestimmte Putzfrau" mit Hang zu "Fatalismus und Liebe zur Stille". Fatalistisch ist Rosa, weil der ökologische Fußabdruck sie mehr als bloß aufregt. Still ist sie, weil sie kaum spricht. Nadja Buchers unaufregende, aber beobachtungsstarke Heldin aus dem Debütroman "Rosa gegen den Dreck der Welt" ist eine, die einer ein ganz schön schlechtes Gewissen einjagt. Da bleiben Pralinés im Halse stecken, weil die Billigschokolade Kolonien ausbeutet, und trotz Kontostand in den Miesen überlegt man plötzlich, in unerschwingliche Waldviertler zu investieren. Oder gleich barfuß zu gehen. Zumindest aber allen Stand-by in der Wohnung auszuschalten, damit nicht die Hälfte der Leistung des Kraftwerks Freudenau auf den eigenen Mist gewachsen ist. Mit bissigem Humor beschreibt Bucher die tägliche Routine der (so leider im realen Leben wohl um Längen zu gut bezahlten) Putzfrau Rosa und ihre diversen Kundschaften, in deren Haushalten sie eine Umweltsünde nach der nächsten aufdeckt. Dann gerät sie an Hatschek, wo sie sich beinahe selbst zur Sünderin macht. Was dem Roman den Anschein eines kleinen Krimis geben soll, ist nur mäßig spannend. Spannend aber ist, dass Bucher ganz nonchalant Zahlen, Daten, Fakten über die Umwelt und was wir so alles mit ihr zu tun haben präsentiert, die unbequemer als bloß nachdenklich stimmen. Ebenso unschön nachdenklich machen die Kapitel, die der eigentlichen Heldin des Romans gelten, Ludmilla, Rosas großes Vorbild in Sachen Berufsentscheidung. Weil "stell’ da vor", in der Figur der Ludmilla schafft es die Autorin, gleichzeitig zum Lachen als auch zum ehrlichen Weinen zu bringen, und zwar beides mit Tränen in den Augen. Das Showdown selbst wirkt ein wenig, wie wenn da jemand einen Notausgang aus dem Roman gesucht und gefunden hätte. Was aber die gegenderte Sprache wettmacht. Auch nicht oft zu finden in der Literatur. Insgesamt also danke, Bucher!