Nadine Kegele · Rezension in

 

an.schläge. Das feministische Magazin # Juni 2009

Sarah Kuttner: Mängelexemplar

Bitte feministisch nachjustieren

 

Die 26-jährige Eventmanagerin Karo hat eine Depression, und das ist insofern schön, als wirklich mal darüber geredet werden sollte, dass selbst junge hübsche Leute, die scheinbar gut im Leben stehen, nicht davor gefeit sind. Die Fernsehmoderatorin Sarah Kuttner hat nun einen Roman darüber geschrieben, ihren ersten. Dieser ist ganz in Ordnung, denn sie versteht sich aufs Humoristische und auf eine sympathische Romanheldin, die den klassischen, sich bequem in der Überzahl befindlichen männlichen Helden Konkurrenz macht, bloß: Rechnet die Leserin Karo einerseits mit dem einlullenden "Freche Mädchen-Schund" ab, was gut ist, serviert die Aushilfskellnerin Karo andererseits zum Bier ihren Hintern dazu, "damit sie draufklapsen können", was nicht gut ist. Masturbiert Karo einerseits wie es sexuell potente Frauen eben tun, was gut ist, tappt sie andererseits in die "Mario-Barth-Falle" und spielt stereotype Mann-Frau-Spielchen nach, was nicht gut ist. Überhaupt macht Karo ihr Glück etwas zu sehr von Männern und deren Blicken abhängig, was schade ist. Trotzdem hat die Heldin was drauf und verdient es nicht, dass nur rumgehackt wird auf ihr. Und: Kuttner ist eine schlaue Aufklärerin, denn das Thema Depression schlummert ja schon ein bisschen peinlich vor sich hin, weil verrückt sein, das will keine/r freiwillig. Insofern ist der Roman eine schlüssige Denkfigur, und er ist schon alleine seiner witzigen Note wegen lesenswert, denn dass jeder Witz einen Bart trage stammt aus der patriarchalen Gerüchteküche. Insgesamt gute Haltungsnoten für diesen kurzweiligen Roman. Bloß beim Feministischen könnte etwas nachjustiert werden.