Nadine Kegele · Rezension in

 

an.schläge. Das feministische Magazin # September 2009

Maria Sveland: Bitterfotze

Alles, aber keine Märtyrerin

 

In Schweden ist der Himmel blauer. Sagen zumindest jene Länderstatistiken, die rechtlich organisierte Gleichberechtigung und Emanzipation widerspiegeln. Doch selbst Schwedinnen lachen sich nicht trunken vor Glück in den Schlaf, verrät Maria Sveland nun. "Bitterfotze", der erste Roman der Journalistin und Mutter Mitte dreißig, verhandelt die (schwedische) Frau und ihre noch immer nicht in Reichweite gerückte absolute Gleichberechtigung. Das sollte Schweden zu denken geben, und Österreich sowieso. Denn Kinder gelten immer noch als originäres Frauending, sagt und kritisiert Sara, die, ausgeblutet von den ihr auferlegten Mutterpflichten, in eine Woche Urlaub am Meer fliegt und Mann und Kind erst einmal den Rücken kehrt. Obwohl Feministin fühlt sich Sara in der Mutterfalle gefangen, und nicht dass das genug der Ungerechtigkeit wäre, reflektiert sie am Hotelpool ihren bisherigen Karriereverlauf mit dem traurigen Ergebnis, dass sie es als Mann höher hinaus geschafft hätte. Im Gepäck Erica Jongs "Angst vorm Fliegen" und im Kopf die Thesen ihrer Lieblingsfeministinnen sinniert Sara über ihr Leben als Feministin nach, das bei alledem, was falsch läuft, zwangsläufig bitterfotzig macht. Aber Bitterfotzigkeit ist gut, denn ist es, so die Autorin, kein leidendes Hinnehmen im Sinne der Märtyrerinnen. "Bitterfotze" ist ein Buch, das den Mythos Liebe aufdeckt und das ökonomische Machtverhältnis genauso thematisiert wie die gesellschaftlich ungleich interpretierten Begriffe Mutter- und Vaterschaft. Denn, so kann das Ende wohl zusammengefasst werden, auch wenn Feminismus Spaß macht, ein mühsames Geschäft ist er auch, aber eines, wofür zu kämpfen sich lohnt.