Je länger die Haare, desto kürzer der Verstand
Von Nadine Kegele
Ich habe nachgedacht. Auf das Prinzip Ursache - Wirkung halte ich eigentlich viel. Wenn ich nach der Arbeit beim billigsten Pizzastand Wiens einkehre und mir extra viel Knoblauch draufpinseln lass, dann weiß ich, dass sich das irgendwann rächt. Und wenn es sich rächt, dann weiß ich, wie ich diese Rache herbeigeführt hab. Ursache, Wirkung. Mit Kausalitäten dieser Art ist auch zu rechnen, wenn von politischer Seite mal was Gutes getan wird. Wieso? Weil es da immer welche gibt, die das anders sehen.
Denn um auf Knoblauch zurück zu kommen: Die österreichischen Uni-Gremien haben laut jüngst beschlossener Novelle zum Universitätsgesetz 2002 in Zukunft einer vierzigprozentigen Frauenquote nachzukommen (das alles läuft unter dem Stichwort Gleichberechtigung und der Einfachheit halber tun wir jetzt so, als wären vierzig Prozent gerechte fünfzig): Der Beschluss ist der Knoblauch, diverse Wortdurchfälle sind die Blähungen. Denn geht es um die Schaffung eines Geschlechterausgleichs wird hysterisch geplärrt, wie es seit der Pathologisierung der Hysterie als weiblicher Krankheit sonst ausschließlich Frauen nachgesagt wird:
"Frauenquote - Artenschutz?" heißt es in einem "Standard"-Posting zum betreffenden Artikel, "ich fordere ähnliche Quotenregelung für Linkshänder mit Brille" meint ein anderer Komiker, "auf Wiedersehen fachliche Qualifikation" hingegen ein Skeptiker, ein Darwinist fordert "Survival of the fittest!", "Quotenh... braucht das Land!" einer, der's lieber misogyn mag, "Die armen Mauserl schaffen's halt anders nicht" zeigt einer mitunter schon auch Verständnis, oder aber es wird mit einem verstiegenen "solange Männer in Österreich noch per Gesetz diskriminiert werden" übertrieben, was das Zeug hält. Summa summarum alles Meinungen, die mehr oder weniger verzichtbar sind. Hegemoniegewöhnung und Kastrierungsängste sind es, die hier vorlaut Reden schwingen.
"Ich brauche keine Gnade, ich will Gerechtigkeit", heißt es in Gotthold Ephraim Lessings "Minna von Barnhelm", und unter dieser Überschrift ist auch die Quotendiskussion zu führen. Die Frau befindet sich in einer Pattsituation, quasi Rücken zur Wand - der Feminismus hat hie und da gewirkt, ist aber eben auch keine Wunderwaffe. Das Attribut "Frau" ist nach Jahrtausenden der Frauenfeindlichkeit immer noch ein Manko. Auf dem Diskriminierungsbarometer höher zu steigen vermag "Frau" wohl nur noch in Zusammenhang mit einem rassistischen "Niete! Sie sind leider nicht weiß!".
Die Universitäten als Männervereine - um wieder die unselige Novelle aus dem Hut zu zaubern - funktionieren - um es ein bisserl plastischer darzustellen - wie Stammtische: Da werden auch keine Frauen zugeladen. Eine Quotenregelung mag also manchen auf den Sack gehen und vielen so scheinen, als werde auf Qualität geschissen, doch richtig ist: Sonst wird's nie was. Das zwanzigste Jahrhundert war - jedenfalls laut einer Suhrkamp-Jubiläums-Literatur-von-tollen-Frauen-Ausgabe - das "Jahrhundert der Frau". Schade bloß, dass das in Führungsebenen, in Prestigeberufen und auf Gehaltszetteln keine Wirkung gezeigt hat.
Gerechtigkeit statt Gnade bedeutet also Quote aus genau diesem Grund: Den männlichen Startvorteil rückgängig machen, um einen weiblichen Start zu ermöglichen. Denn wenn Qualität und Quote erst mal stimmen, dann schaukelt sich das Baby eh von selbst. Im Übrigen halte ich es mit einem "Standard"-Posting, das wunderbar frisch aus dem sonstigen Dunkel hervor leuchtet: "Die Universitäten sind ja überhaupt durch eine 'Quote' entstanden. Das war die Null-Prozent-Frauenquote." Denn in Österreich dürfen Frauen seit 1897 erst studieren, zum Vergleich sei gesagt, dass die Wiener Hauptuniversität aber bereits seit 1365 existiert. "Dass manche Männer sich noch immer der Illusion hingeben, es nur aufgrund ihrer Leistung geschafft zu haben, ist peinlich", so die aufgeklärte "Standard"-Leserin weiter. Und der Ro-- sagt ja: "Wortdurchfall heißt Logorrhoe." Und ich? Ich sage: Ein starkes Gerechtigkeitsempfinden ist nicht leicht, fühlt sich aber besser an.
Postings:
gesellschaft
Ein Vaginamonolog zur Quotenhure