Je länger die Haare, desto kürzer der Verstand
Von Nadine Kegele
Ich habe nachgedacht. Erfolgreich ist ein Mann, wenn er mehr Geld verdient, als seine Frau ausgeben kann. Eine Frau ist dann erfolgreich, wenn sie einen solchen Mann gefunden hat. Nein, das ist keine Weisheit aus meinem Repertoire, passt aber ganz gut zum letzten Donnerstag. Denn an diesem hab ich mich sozusagen unentgeltlich die Wiener Linien bedient, mir dabei lesend ein für die breite Masse ausgeklügeltes Boulevardblatt angeeignet, um darüber auf dem Laufenden zu bleiben, was sich alles so tut, während ich mich nicht dafür interessiere.
Und um auf Geld zurück zu kommen: Dieses hat ja zwischenmenschlich betrachtet gerade bei Scheidungen einen nicht geringen Stellenwert. Initiiert vom vorletzten noch lebenden Beatle neben Ringo Starr, welcher jüngst laut Gerichtsurteil ganze 32 Millionen Euro als Trennungs-Abfindung in seine jetzige Ehemalige zu investieren hat, wusste das Wiener Gratisblättchen "Heute" eins draufzulegen: Dieser Oligarch, jener Basketball-Star, dieser US-Sänger und jene Regie-Legende hatten für ihre "Freiheit" noch viel mehr Millionen zu berappen, und "stilvoll" getrennt wird sich sowieso erst ab 1,6 Milliarden.
Wo Geld fließt, wird Staub aufgewirbelt. Denn spätestens bei der Trennung wird jede Promi-Geliebte zum Biest (gemacht). Dabei handelt es sich hier um Summen, die für unsereins zwar immens, aber ihrerseits mehr als nur zu verkraften sind. Dennoch: Die posteheliche Aussteuer fällt immer ungut zurück auf die Frau. Alle nehmen die Zahlungsverpflichtung persönlich. Vor allem jene, die nichts damit zu haben. Wenn der Klingelbeutel ruft, geht's den Leuten ans Gemüt. Klassische Konditionierung, quasi "Pawlowscher Hund" auf kapitalistisch. Die Al-- meint ja: "Manche Leute haben keinen Bezug zum Geld." Und tatsächlich scheint dieser Bezug vielen abhanden gekommen zu sein.
Zum Beispiel wenn das heterosexuelle Vorzeigepaar sich trennt, wird der Mann erst zur Kassa gebeten und macht anschließend auf ungläubiger Thomas. Dabei verhält es sich im Vorfeld meist so: Der Mann geht arbeiten, die Frau hütet Haus und Hof, und Kind außerdem auch. Er sammelt Pensionsjahre, sie sammelt "Managerinnen-Erfahrung" im "Familien-Unternehmen", ohne Altersabsicherung, ohne Bezahlung. So gesehen hat die eine oder andere Frau schon ein bisserl was vom Vermögen verdient, wenn sich die Wege trennen. Ja sicher, 32 Millionen braucht kein Mensch zum Leben, aber wenn's der Mann hat, muss es in Relation gesehen werden.
Eine weitere Nachricht, die die Welt nicht braucht, war jene über Frankreichs neue Premiere Dame, die sich vor Jahren entblätterte und nun eingeholt wird von ihrer Vergangenheit während sie hohen Staatsbesuch absolviert in Great Great Britain. Ich sage: Sie war jung und brauchte das Geld. "Heute" sagt: "Nach einem Treffen mit der Queen stehen Themen wie Anti-Terror-Maßnahmen und die Finanzkrise auf dem Programm. Die britischen Zeitungen interessierten sich allerdings mehr für das Nacktfoto (wir berichteten)." Interessant daran ist nun weniger die Finanzkrise als vielmehr der kursiv hervorgehobene Zusatz, der "Heute" wieder runter holt vom hohen Ross und ohne es selbst zu merken. Weil für Nackte wird sich immer interessiert. Wenn eine "fesche Landwirtin für den neuen Jungbauernkalender perfekt Werbung" macht for example.
Und neben den Nackten haben immer auch die Schönen Platz: Par exemple eine Bauernverkupplerin, die Mode trägt von einer Designerin, die wahrscheinlich spricht, bevor sie denkt, wenn sie sagt: "Es liegt im weiblichen Wesen sich selbst zu präsentieren und einfach schön zu sein." Und ein Möbelhaus bewirbt ganzseitig ihre "Damentage", was bedeutet: Gratis Kinderbetreuung, Beauty-Tipps vom Profi, Sachen dieser Art. Und nicht zuletzt weiß eine altersweise Kolumnisten just in der Ausgabe, die mir da so zittrig in den Händen liegt, dass Frauen an der Macht ganz klar keine Eurofighter angeschafft hätten, weil doch Kampfflugzeuge, und mir graut. Vor der bitteren Wahrheit nämlich, dass solche Blätter eigentlich nichts zu berichten haben und es trotzdem täglich tun. Und der Ro-- sagt ja: "Wenigstens die Homo-Ehe wird wieder diskutiert." Und ich sage: Dein Wort in Gottes Ohr!
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Der Pawlowsche Hund
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Geld macht Gefühle, nackt übrigens auch