Je länger die Haare, desto kürzer der Verstand
Von Nadine Kegele
Ich habe nachgedacht. Irgendwie war ich immer schon für was eher Festes, quasi ganz oder eben gar nicht. Die Verlobung ist dennoch nicht auf meinen Mist gewachsen, nur, dass das auch mal erwähnt ist. Ich hätt' ja nie ans Heiraten gedacht, Heiraten war für mich etwas, was andere tun, eigentlich aber unnötig ist. Und jetzt? Hab ich einen Ring am Finger. Weil die Ti-- sagt ja: "Man merkt, wenn's der Richtige ist."
Und um aufs Verloben zurück zu kommen: So eine Verlobung ist ein Versprechen unter dem Deckmantel der großen Geste. Doch was seit Erfindung der Romantik als leidenschaftlicher Liebesbeweis gilt, ist im Grunde genommen ein Geschäft. Genau deshalb dürfen vor der Heirat verlassene Verlobte (ob männlich oder weiblich) während der Verlobungszeit Verschenktes zurückfordern, denn wurde das Geschenk schließlich im Hinblick auf eine zukünftige Dienstleistung gemacht, die Dienstleistung aber nicht erbracht. Weil so ist das mit dem Verlobtsein, eigentlich ist's unromantisch.
In den USÄ ist es üblich, dass ausschließlich die Frau einen Verlobungsring trägt. Bei uns, so scheint es, wird es immer üblicher. Muss der Serien-Einfluss sein, immerhin wird Heiraten in amerikanischen Serien inflationär betrieben, weil katholisches voreheliches Sex-Verbot, freie Liebe ist da nicht. Für den Ro-- und mich war klar: Zwei Verlobungsringe oder kein einziger. Diese Tatsache gereichte zur Provokation, zumindest aber Irritation. Warum er auch einen Ring trage?! Warum nicht nur ich?! Fragen und Verblüffung dieser Ärt. Doch interessanter als zu fragen, warum nicht nur die Frau einen Ring trägt, ist, warum nur die Frau einen zu tragen hat! Die Äntwort in einem Versuch über die Kennzeichnung:
Die Frau verspricht sich dem Mann und wird per Verlobungsring als vergeben markiert, schließlich wird auch die Kuh als verkauft gekennzeichnet, aber nicht der Bauer als Käufer. Ein weiterer Grund ist wohl die Verbindung zwischen Frauen und Schmuck, die von vielen als eine "natürliche" wahrgenommen wird, in Wahrheit aber gesellschaftlich gesteuert ist. Der Frau wird eingesagt, dass sie Schmuck gefälligst zu mögen hat, der Mann glaubt, über Schmuck (und Unterwäsche und Haushaltsgeräte) freue sich jede Frau.
Vor allem die Werbung ist Meisterin in der Produktion klassischer stereotyper Geschlechterrollen: die Frau als Mutter oder Verführerin, der Mann als Checker. So warb zum Beispiel jene österreichische Talkshow-Moderatorin, die nicht Ärabella Kiesbauer heißt, vergangenen Dezember für die Wiener Juweliere: "Gerade jetzt vor Weihnachten empfinde ich Schmuckgeschenke als Erinnerungsstücke mit Wert. Ich sage nur: Echte Liebe - echte Juwelen." Selten blöd, klar, doch im selben Schmus geht's fröhlich weiter: "Ob modern oder klassisch, die Freude der Frauen über Schmuck hält lange, wie wir seit MM wissen." Nicht einmal, dass sich die Mühe gemacht wird, die Initialen des blonden Vorzeige-Dummchens auszuschreiben, die Werbebranche scheint sich noch dazu einzubilden, mich mit diesen faden Sprüchen einlullen zu können. Übrigens schlägt jene Werbung in dieselbe Kerbe wie die "Liebe ist käuflich"-Schiene des Wiener Nobelkaufhauses Steffl, doch hat mich die auch schon kalt gelassen.
Repräsentationsschmuck ist was für Luschen! Und unser beider Ring? Kein echt Silber, kein Stein und keine dreißig Euro. Schließlich geht's nicht um's Schmuckgefühl, sondern um du zu mir und ich zu dir. Und das offiziell seit einem ganzen Jahr. Ob wir dann nicht bald heiraten müssten? Ja, laut Konvention schon, doch geben wir einen Dreck auf Konventionen und keine Diskussion. Ob ich, wenn's denn mal so weit ist, seinen Namen annehmen würde? Die Äntwort in einem Versuch über die Namensänderung:
"Es ist die patriarchalische Ordnung, die als Organisation und Monopolisierung des Privat-
eigentums zugunsten des Familienoberhauptes funktioniert. Es ist sein Eigentum, der Name des Vaters, der die Äneignung bestimmt. Frau und Kinder eingeschlossen. Und das, was von der Frau gefordert wird - die Monogamie - und von den Kindern - der Vorrang der männlichen Linie und insbesondere der des Erstgeborenen des Namens -, dient dazu, die Konzentration der Reichtümer in den Händen eines Mannes zu sichern, und dazu, diese Reichtümer durch Vererbung auf die Kinder dieses Mannes zu übertragen." Das sagt die französische Kulturtheoretikerin Luce Irigaray. Und der Ro-- sagt, ganz in Weiß bedeute jungfräulich. Und ich? Ich sage: Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid und wir heiraten sowieso in Jeans.
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