gesellschaft – 26.02.2008
Was würd ich nur ohne Sie tun!

Je länger die Haare, desto kürzer der Verstand
Von Nadine Kegele


Ich habe nachgedacht. Wirklich Karriere habe ich bisher ja nicht gemacht. Schon, von der Bürolehre auf die Universität ist es nicht gerade ein Katzensprung, aber auf der Universität wird auch nur mit Wasser gekocht. Ohne Scheiß, da gibt es Frauen, die Germanistik studieren, um später bei einer Frauenzeitschrift arbeiten zu können. Oder Männer, die - weil Germanistik mit Frauen überschwemmt ist - eben nur "wegen der Mädels" da sind. Und während erstere es in irgendeine poppige Mädchenreaktion schaffen, landen letztere trotz ihrer ursprünglich unsachlichen Motivation in der Professorenriege, die Zahlen sprechen für sich.

Denn um auf Karriere zurück zu kommen: Nur 13 Prozent der ProfessorInnen sind weiblich, die restlichen 87 Prozent okkupieren Männer, Männer, wieder Männer. Ja eh, eigentlich habe ich mit einer Habilitation bisher nie geliebäugelt, doch fände ich es schon irgendwie entspannend, wenn ich wüsste, dass ich könnte, wenn ich wollte. Doch werde ich diese Entspannung wohl eher in Ausdruckstanz, Lachyoga oder Schuhplattln zu finden haben, weil gegen eine Universitätskarriere spricht die Statistik. Mit Diplom statt Lehramt ist mir zudem auch der Weg an die Schule verbaut, aber dort schleichen eh schon zu viele Frauen herum: In Gymnasien nämlich 60, in Hauptschulen 75 und in Grundschulen ganze 90 Prozent. Was aber sagen uns diese Zahlen?

Je niedriger das Prestige einer Bildungseinrichtung, umso mehr Frauen tummeln sich darin. Und je höher das Prestige einer Bildungseinrichtung, umso mehr wird eine Lehrstelle in dieser Einrichtung auch für Männer interessant oder werden bei der Einstellung Männer als attraktiver erachtet. Fakt ist: Sobald Frauen eine ehemals "männliche" Berufssparte erobern, geht das Prestige flöten. So verhält es sich nicht nur mit dem LehrerInnenberuf. Der Sekretär war - um das klassische Beispiel zu nennen - im 19. Jahrhundert eine geschätzte Persönlichkeit, Sekretär war nicht jeder. Seit sich diese Arbeit mehrheitlich auf Frauen verlagert hat, fand ganz klar eine Abwertung statt, Sekretärin kann ja jede sein, Sekretärinnen sind Tippsen, lackieren während der Arbeitszeit ihre Fingernägel, schieben vielleicht ein paar Stühle zurecht und kochen ein bisschen Kaffee.

Die talentierteren Sekretärinnen halten ihrem Chef den Rücken frei, damit er ungestört seinen - wichtigeren - Arbeiten nachgehen kann und hören im günstigsten Fall ein "Sie sind unbezahlbar!" und "Was würd ich nur ohne Sie tun!". Dankbarkeitsfloskeln dieser Art rücken (um bis zu dreißig Prozent schlechter bezahlte) "Frauenarbeit" in den Bereich der "weiblichen" Nächstenliebe: Die Frau arbeitet nicht für Geld, sie arbeitet um der natürlichen Zufriedenheit willen, die sie durch Helfen und Bedienen erfährt. Wo wir wieder bei der Lehrerin wären, die diesen Beruf ja auch nur ergriffen hat wegen ihrer "natürlichen" Tendenz zur Mütterlichkeit. Und der Ro-- sagt ja: "Dann ist’s also die Frau in mir, die mich zum Lehrer macht." Und ich? Ich prophezeie: Mein Weg führt sowieso in die Metallbranche.

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