gesellschaft – 12.02.2008
Hier gibt es nichts zu sehen

Je länger die Haare, desto kürzer der Verstand
Von Nadine Kegele


Ich habe nachgedacht. Sex sells irgendwie ja schon besser. Wenn zum Beispiel ein österreichischer Medienmogul sein Mädchen von Seite fünf liebevoll seine "Nackerte" nennt, weiß er haargenau wieso: Weil "Nackerte" die Leserzahlen (sic!) in die Höhe treiben, wie es sonst nur tödliche Autounfälle schöner englischer Prinzessinnen und überraschende Flugzeugkollisionen mit amerikanischen Hochhäusern zu vollbringen in der Lage sind.

Denn um auf Sex zurück zu kommen: Das! Zieht! Immer! Die Welt will keinen Intellektualismus, die Welt will Nudismus, quasi Purismus, kleidungstechnisch gesehen. Aber: Tendenziell existiert diese Vorliebe ein wenig mehr in Bezug auf das weibliche Geschlecht. Oder schon mal den Nackten von Seite fünf gesehen? Aber so was von nicht richtig wäre nun der Gedanke, die Natur habe das so eingerichtet, dass Männer ganz einfach ein intensiveres Verlangen nach nackten Frauen hätten als umgekehrt, quasi Libido. Richtig ist vielmehr:

Krankenschwestern, Sekretärinnen, Kindergärtnerinnen auf der einen Seite. Chefärzte, Universitätsrektoren, Priester auf der anderen. Und exakt hier ist der sprichwörtliche Hund begraben und ausfindig zu machen, weshalb tendenziell mehr nackte Frauen in Zeitungs-, Werbe- und ja, auch Straßenlandschaft zu sehen sind als Männer: Ebenso wie die Frau die Arzthelferin ist und nicht der Arzt (sic!), ist die Frau gemeinhin das, was gesehen wird, und der Mann das, was sieht:

Die Frau ist das Bild, der Mann der Blick. Und wird dieser Blick verbalisiert, hört sich das zum Beispiel so an: "Marion trägt nur noch den schmalen Gürtel. Vielleicht, damit man(n) sie auch im fast nackten Zustand richtig anpacken kann?" "Wie ist Klara in dieses enge Korsett gekommen? Aber raus geht's bestimmt leichter." "Gabriela ist so heiß, dass sie am Tag mindestens drei Mal kalt duschen muss." Und: "Lia ist an den richtigen Stellen gepolstert und trotzdem topfit."

Zugegeben, die intellektuelle Leistung ist nicht überwältigend. Doch tut's was zur Sache? Autos verkaufen sich ja auch nicht, weil sie so verdammt billig sind, sondern sich eine "Nackerte" an der polierten Motorhaube reibt. Nun gibt es ja Frauen, die trotz ihrer Reduziertheit auf Busen, Beine, Po sympathisieren und Sätzlein trällern wie "Ein Kleid macht keinen Sinn, wenn es einen Mann nicht anregt, es dir ausziehen zu wollen", quasi Stockholm-Syndrom. Ich gehöre nicht dazu. Denn: I became a feminist as an alternative to becoming a masochist. Und der Ro-- sagt ja: Frauenkörper-Ausverkauf ist etwas für geistig Arme. Und ich? Habe dennoch kein Mitleid.


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