Je länger die Haare, desto kürzer der Verstand
Von Nadine Kegele
Ich habe nachgedacht. Langsam geht mir das ja selbst auf den Arsch, jede Woche dasselbe alte Lied über Männer und Frauen und wollen wir nicht alle lieb zueinander und komm, lass uns die Klischees beiseite und sollten wir nicht einmal reden von und ganz so einfach kann das echt nicht und da muss doch noch mehr dahinter sein als.
Ein Spielverderber-Statement dieser Art bleibt mir jedoch auch diese Woche nicht erspart, daher wandelte ich die letzten Tage zwecks Themenfindung mit offenen Augen über diese Erde und sah, dass sie gut war. Ja ok, ein junger Hollywood-Schauspieler ist gestorben und vielleicht waren's Drogen, die ihn dahinrafften. Und ja, der ORF hat eine Gebührenerhöhung beschlossen, obwohl die ÖVP Einspruch erhob für ihre Schäfchen. Und ja eh, diese fertige amerikanische Sängerin ist per Richterspruch entmündigt worden, doch geht’s uns was an? Und ja klar, der französische Erfolgsschriftsteller ist mit Kokain erwischt worden, aber auch das soll mal schön seine Sache sein und bleiben.
Um auf dasselbe alte Lied zurück zu kommen: Männer und Frauen sind keine vom selben Schlag. Ich sage nur Mars, und ich sage Venus. Und auch bei den Essgewohnheiten können (mit ein bisschen Ignoranz für rollenproduzierende Vorgänge) Differenzen ausgemacht werden, die einmal mehr die "natürliche" Unterschiedlichkeit der Geschlechter belegen, denn "Untersuchungen bestätigen, was man am Esstisch längst beobachtet hat: Männer haben im Vergleich zu Frauen recht unterschiedliche Geschmacksvorlieben. Greifen die Damen gerne zu Salat, Gemüse und Vollkornprodukten, scheint die Vorliebe für Fleisch und Wurst in den Genen der Herren zu liegen."
Populärwissenschaftliche Stumpfsinnigkeit dieses Ausmaßes bekomme ich letztens zu Gesicht als ich in einer Bäckerei ein Croissant in Auftrag gebe und mir während des Wartens lässig einen Produktinformations-Flyer schnappe. Die darauf abgedruckten Schlagworte legen spontan meinen inneren Alarmhebel um, mir wird heiß, womöglich werd ich auch rot, denn es ist die Rede von "Adams Brot" und "Brot für Evas Töchter", von "Darmschmeichlern" für ihre "Figur in Bestform", von "Kraftstoffoptimierung" und "Testosteron" für ihn, von der "Mehrfachbelastung zwischen Familie und Beruf" bei ihr, davon, dass "richtige Männer ihrer Gesundheit die gleiche Pflege widmen sollten wie ihrem geliebten Auto" wiederum bei ihm. Und von mir aus, laufen diese geschlechtsspezifischen Brotwecken unter "Sozialprojekte", denn das "schöne Geschlecht" spendet mit dem Kauf für die Brustkrebsvorsorge und das "starke Geschlecht" für die Wiener Krebshilfe, doch: das macht nicht die Sache besser, bloß die Absicht!
Ich habe nun den unguten Verdacht, dass diese Geschlechtereinschreibungen trotz aller Blödigkeit ihre Wirkung nicht verfehlen werden. Denn solche "Beweise" kommen all jenen gerade recht, die ihre Stammtisch- und Kaffeekränzchen-Thesen zu "Frau ist nicht gleich Mann" immerwährend zu untermauern suchen. Doch darf ich kurz was einwerfen? Die Ist-Situation ist kein Beweis für den Unterschied, sondern nur für die gelungene kulturelle Produktion des Unterschieds. Der tatsächliche Unterschied zwischen Mann und Frau ist wohl, dass ich Brustkrebs eher bekommen werde als Prostatakrebs und ein Kind eher als eine Karriere. Und der Ro-- sagt ja: Mit Society wärst du karrieremäßig besser dran. Und ich? Ich pfeif ihm was!
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